MIKRO & MAKRO

Altlasten – Sanierung einer Deponie

Mit der Fotoreportage «Mikro & Makro» beleuchten wir unser Schwerpunktthema «Lebensdauer» aus verschiedenen Perspektiven. Wir erschliessen uns die Welt aus der Luft, tauchen in den Lebensraum ein und verschwinden sogar unter der Erde des Projekt. Ein visueller Besuch rund um eine Baustelle in Küttigen AG.

Die ehemalige Deponie Ritzer in Küttigen, zuletzt ein Fussballplatz, wird aufgrund von Altlasten saniert. Die Sanierung zielt darauf ab, den natürlichen Zersetzungsprozess in der Deponie zu beschleunigen, indem sie abgedichtet, entwässert und entgast wird. Das verschmutzte Wasser wie auch die Gase werden aufgefangen und vor Ort behandelt.

Bis in die 1970er-Jahre war die Deponie Ritzer am Dorfrand von Küttigen eine Kehrichtdeponie wie viele andere in der Schweiz. Die Gemeinde und die Stadt Aarau entsorgten hier ihre Hausabfälle und alles, was nicht mehr gebraucht wurde, auch mal Velos, Kleider, Autoteile. Später nutzte der FC Küttigen die Oberfläche als Fussballplatz. 2016 wurde klar: Soll das Gebiet langfristig gefahrlos genutzt werden können, ist eine Altlasten-Sanierung nötig. Basler & Hofmann hat das Sanierungskonzept entworfen und die Gesamtleitung für die Projektierung und die Ausführung übernommen. Unsere Fachleute aus Umweltchemie, Spezialtiefbau, Brand- und Explosionsschutz, Anlagen- und Verfahrenstechnik arbeiten am Projekt.

Die Sanierung ist ein Generationenprojekt. Im Fachjargon ist Ritzer eine «mit Wasser eingestaute Deponie mit Gasentwicklung». Die Entgasung wird wohl erst um das Jahr 2060 abgeschlossen sein, danach soll die Deponie weitere 30 Jahre überwacht werden. Bis dahin wird das Material vor Ort behandelt und unschädlich gemacht. Das Ziel ist, die Zerfallsprozesse in der Deponie zu beschleunigen; die Lebensdauer der darin aktiven und Gas produzierenden Mikro-Organismen wird dadurch verkürzt. Zugleich wird das austretende Methangas in einer eigens dafür erstellten Technikanlage in weniger schädliches CO₂ umgewandelt.

Der Abfall bleibt, wo er ist
«Der eine oder andere im Dorf denkt wohl noch immer, dass wir alles Material aus der Deponie herausholen und entsorgen», sagt Stefan Renggli, Leiter Tiefbau der Gemeinde Küttigen, beim Gang über die Baustelle. Dem ist nicht so. «Wir machen hier eine In-situ-Sanierung», erklärt Niccolà Schaub, Teamleiterin Altlasten und Umweltchemie bei Basler & Hofmann. Der Abfall bleibt im Boden. Der Deponiekörper – eine 20 Meter dicke Müllschicht aus rund 300 000 m³ Kehricht – wird rundherum abgedichtet, entwässert und entgast. Seit 2024 wird gebaut: Eine Abdichtungswand wurde erstellt, verschiedene Bodenschichten angelegt, die durch schwarzes Vlies abgetrennt werden. Eine der Schichten besteht aus rezykliertem Misch-Abbruch-Granulat (Migra); sie wird als Gas-Drainageschicht dienen. Die Rohre darin sammeln das Deponiegas und leiten es an die Gas-Entsorgungsanlage im Betriebsgebäude weiter. Über der Deponie gut sichtbar steht ein weisses Zelt. Es beherbergt einen tiefen Schacht, in dem gebohrt wird.

Vertikaler Schacht führt in die Deponie hinunter
Der Vertikalschacht im Zelt hat einen Durchmesser von sieben Metern und dringt 25 Meter tief in den Deponiekörper ein. Er ist das Kernstück für die Entwässerung der Deponie. Im Zelt und aus dem Schacht dröhnt und rauscht es. Unten rattert eine Bohrmaschine, Lüftungsrohre saugen verschmutzte Luft ab. Der Schacht besteht aus einer absolut dichten, überschnittenen Bohrpfahlwand, an der eine Treppe nach unten führt.

Horizontale Drainage-Bohrung in Schutzkleidung
Unten im Schacht arbeiten Baufachleute in Schutzanzügen und mit Gasmasken. Sie bohren sechs 100 Meter lange Kanäle sternförmig in den Abfallberg. In diese sechs horizontalen «Brunnen» werden Rohre für die Entwässerung der Deponie gelegt. Sie werden das Sickerwasser, das sich in der Deponie gestaut hat, sammeln und ableiten. Die Bohrmaschine fördert allerlei Kehricht wie Eisenteile und Plastik, etwas Industrieabfall und Sickerwasser zutage. Die Schutzkleidung schützt die Baufachleute vor dem gesundheitsschädlichen Deponiegas und anderen Schadstoffen im Bohrgut und Wasser. Staubige Luft wird abgesaugt, Abwasser nach oben gepumpt, um es zu reinigen. «Was alles in der Deponie drin ist, weiss niemand genau», sagt Niccolà Schaub. Deshalb ist der Arbeitsschutz besonders wichtig.

Gas-Entsorgung bei 950 Grad Celsius
Zurück an der Oberfläche, gehen wir zum Betriebsgebäude am Rand der Deponie. Hier werden alle potenziell gesundheitsschädlichen Stoffe eliminiert: Das Sickerwasser und das Methangas aus der Deponie gelangen via Rohre hierhin, wo beides behandelt und in weniger schädliche Stoffe umgewandelt wird. Geplant hat die Anlagen Adrian Wildhaber, Projektleiter für Verfahrenstechnik bei Basler & Hofmann. Er prüft gerade, ob bei den Gas-Brennkammern der richtige Armaturentyp installiert ist. In den Brennkammern soll das Methan (CH₄) mithilfe elektrischer Kerzen auf bis zu 950 Grad Celsius Oxidationstemperatur erhitzt und in Kohlendioxid (CO₂) umgewandelt werden. Das CO₂ wird danach über einen Kamin in die Luft abgelassen. Dieser Entgasungsprozess wird bis etwa ins Jahr 2060 andauern.