Rascher Schutz vor Hochwasser für die Gemeinde Dielsdorf

Die Bevölkerung von Dielsdorf denkt nicht gerne an den 30. Mai 2018 zurück. Ein heftiges Gewitter verursachte Schäden in Millionenhöhe. Die Gemeinde entschied, rasch zu handeln. In nur drei Jahren konnte der Hochwasserschutz und der Schutz vor Oberflächenabfluss massgeblich verbessert werden. Die Arbeiten im dicht besiedelten Gebiet erforderten auch unkonventionelle Lösungen.

Auftraggeber

Gemeinde Dielsdorf

Effektiver Hochwasserschutz auf engem Raum

Durchflutete Wohnungen, überschwemmte Strassen und zerstörte Ernten: Am 30. Mai 2018 sind in Dielsdorf innerhalb von einer Stunde mehr als 80 Liter Niederschlag pro Quadratmeter registriert worden. Das sind ungefähr 8-mal mehr als bei normalem Starkregen. Ausufernde Bäche und das anfallende Oberflächenwasser haben grosse Teile der Gemeinde überschwemmt. Die Expertinnen und Experten für Hochwasserschutz von Basler & Hofmann haben das Ereignis detailliert analysiert. Es wurden Hochwasserspuren aufgenommen, die Fliesswege des Wassers mit einer 2D-Modellierung simuliert, rekonstruiert und mit der Naturgefahrenkarte abgestimmt. Zudem wurden die bestehenden Massnahmen zur Lenkung und Abführung von Oberflächenabfluss überprüft. Auf Basis der Analyse konnten verschiedene Schwachstellen identifiziert werden, die es zum Schutz des Dorfes und seiner Bevölkerung rasch umzusetzen galt. In nur drei Jahren konnten zehn von insgesamt elf Teilprojekten realisiert werden. Besonders herausfordernd waren dabei die engen Platzverhältnisse im dicht bebauten Siedlungsgebiet.

Raubettgerinne und grabenloses Bauverfahren

Um den Hochwasserschutz zu verbessern, mussten in verschiedenen Bächen im Dorf Massnahmen ergriffen werden. Ziel dabei war, die Gewässer gleichzeitig ökologisch aufzuwerten, also zu revitalisieren, und zugänglicher zu machen. An verschiedenen Stellen waren die Bachbette zu klein und zu eng. Da es im Siedlungsraum nur wenig Freiraum gibt und einige Bäche sehr steil verlaufen, konnten die Gerinne nicht einfach ausgeweitet werden. Die Fachleute von Basler & Hofmann haben zu diesem Zweck für den Hinterdorfbach und den Meralter- und Früeblibach sogenannte Stufen-Becken-Systeme und Raubettgerinne projektiert. Während sich bei Stufen-Beckensystemen Sohlen und Stufen abwechseln, werden bei einem Raubettgerinne im gesamten Bachbett grosse Stein mit kleineren und grösseren Fugen verlegt. Damit kann die Fliessgeschwindigkeit des Wassers auch auf kurzen, steilen Strecken deutlich reduziert werden, ohne die Aufstiegsmöglichkeit für Fische zu kompromittieren.

Zur Verbesserung des Hochwasserschutzes mussten auch verschiedene Durchlässe unterhalb von Strassen und Bahngeleisen erneuert werden. Damit der Verkehr möglichst wenig beeinträchtigt wurde, kam unter anderem das grabenlose Bauverfahren mit Pressvortrieb zum Einsatz.

Verbesserung des Oberflächenabflusses

Zwei der insgesamt elf Teilprojekte hatten die Optimierung des Oberflächenabflusses zum Ziel. Im Bereich der Südstrasse wurden auf 350 Metern die bestehenden Erddämme zur Fassung und Leitung des Wassers ertüchtigt und erhöht. Damit sich diese in Zukunft nicht durch intensive Nutzung abtragen, wurde oberhalb eine landwirtschaftliche Pufferzone von rund zehn Metern definiert. Weiter wurden drei neue Einlaufbauwerke projektiert sowie Gelände- und Strassenanpassungen vorgenommen.

Unsere Leistungen

Ereignisanalyse, 2D-Überflutungsmodellierung und Begleitung physikalischer Modellversuche an der Fachhochschule OST. Festlegung der Schutzziele und Projektierung der Massnahmen in den Bereichen Oberflächenabfluss und Hochwasserschutz: Dammsystem mit Einlaufbauwerken und Leitungssystem, Stufen-Becken-Systeme, Raubettgerinne, Schwemmholzrechen, Tos- und Geschieberückhaltebecken sowie Bachdurchlässe. Überwachungs- und Unterhaltskonzept zur langfristigen Sicherstellung der Systemsicherheit.

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