Die ökologische Alternative: Ein Hybridbau fürs Schulhaus in Root

Holz trifft auf Stahl, Stahl trifft auf Beton: In Root (LU) ist eine Schule im Bau, deren Tragwerk das Beste der drei Baumaterialien vereint. Im Juni 2026 war der Rohbau fertiggestellt. Hybridbauten wie dieser Schulneubau können sich lohnen: Für die Schule in Root bringt die Hybridbauweise ökologische und wirtschaftliche Vorteile.
Schon der Einbau der Stahlfachwerkträger im Dezember 2025 war ein Highlight. Ein 500-Tonnen-Kran hob die sechs mächtigen Träger präzise auf die Abstützpunkte der dreistöckigen Dreifachturnhalle. Diese war zuvor aus Stahlbeton, einem Verbundwerkstoff aus Beton und Bewehrungsstahl, erstellt worden. Jeder der grün gefärbten Stahlfachwerkträger ist gut 42 Meter lang und 4,3 Meter hoch. Sie tragen die beiden Obergeschosse des Schulgebäudes, in denen die Werkräume und Klassenzimmer untergebracht werden.
Gemeinsam projektiert von Spezialisten für Holz-, Stahl- und Betontragwerke
Der Schulneubau zeigt exemplarisch, wie Fachleute für Holz-, Stahl- und Betonbau gemeinsam die optimale Lösung für ein Bauprojekt entwickeln. Auf Seiten Basler & Hofmann sind dies neben Arnaud Deillon, Projektleiter mit Schwerpunkt Stahlbau, die Projektingenieurin und Holzbauspezialistin Miriam Kleinhenz, sowie der Projektleiter für Bauwerkserhalt und Industriebau Matthias Wyrsch. Das Tragwerk der Schule besteht im unteren Bereich aus Beton, darauf lagern im mittleren Teil die Stahlfachwerke. Das oberste Geschoss besteht komplett aus Holz. Die Schule ist ein sogenannter Hybridbau. Er kombiniert die Stärken jedes Materials.
Entworfen wurde das Schulhaus vom Architekturbüro Bürgi Burkard von Euw. Sie hatten schon in der Wettbewerbsphase unsere Fachleute für Tragwerksbau beigezogen, um die optimale Struktur für das Gebäude zu entwickeln.
Holzdecke auf den Stahlfachwerken aufgelagert
Für unsere Tragwerksspezialisten folgte das nächste Highlight auf der Baustelle im April 2026: Nun traf Holz auf Stahl. Die erste Holzdecke für die beiden Obergeschosse wurde auf das Skelett der Stahlfachwerkträger verlegt – ein wichtiger Moment an der Schnittstelle zwischen Stahl- und Holzbau. «Es war zentral, dass die horizontalen Stahlträger richtig in der Holzdecke befestigt wurden, um die Steifigkeit der Holzdecke zu gewährleisten und ein Kippen der Stahlfachwerkträger zu verhindern», berichtet Miriam Kleinhenz.
Vor- und Nachteile von Holz als Baumaterial
Holz hat, wie jedes Baumaterial, seine Vor- und Nachteile. Holz ist leichter als Beton, was ein Vorteil für Transport und Montage ist. Doch tendieren Holzdecken eher zu Schwingungen. Miriam war im April zusammen mit weiteren Arbeitskollegen vor Ort, um Schwingungsmessungen an den Holzdecken durchzuführen. Sie und ihre Arbeitskollegen wollten wissen, ob die ausgeführte Holzdecke tatsächlich so schwingungsarm ist wie berechnet. Die Messungen unseres Teams bestätigten die theoretisch vorhergesagten Werte. Die frisch erstellte Holzdecke bestand den Praxistest.
Die Stärken jedes Baumaterials optimal nutzen
Dass ein Hybridbau die bestmögliche Art war, dieses Schulhaus zu bauen, wurde bereits früh in der Planung ermittelt. Die Gegenüberstellung von Ökobilanzierung und Kostenschätzung diente dem Planungsteam dazu herauszufinden, welches Material für welches Bauteil ökologisch und wirtschaftlich die beste Lösung darstellt.
Beim Schulneubau in Root zeigte die Ökobilanzierung, dass die Vorteile einer Hybridbauweise mit Holz-Decken in den Obergeschossen überwogen. Hohlkastendecken aus Schweizer Fichtenholz hatten im Vergleich zu konventionellen Decken aus Stahlbeton den geringsten CO2-Fussabdruck.
Entgegen der landläufigen Meinung, dass Holzbau immer teurer ist als Stahlbeton, setzte sich im Fall Root die Bauweise mit Hohlkastendecken auch bezüglich der Baukosten durch. Die Stahlfachwerkträger konnten dank dem geringeren Gewicht der aufliegenden Holzdecken schlanker und materialsparender und damit kosteneffizienter gebaut werden.
Holz hat für die Decke der Werkräume und für die Klassenzimmer einen weiteren Vorteil: Die Hohlkastendecken verbessern die Raumakustik. Bei einer Stahlbetondecke wäre zusätzlich eine Akustikdecke zur Schalldämpfung nötig gewesen.
Nur im unteren Gebäudeteil, bei der dreistöckigen Dreifachturnhalle, dominiert Stahlbeton. Dafür gibt es zwei Hauptgründe: die Dichtigkeit und die Dauerhaftigkeit von Beton. Da das Schulhaus in Hanglage gebaut wird, liegt die Dreifachturnhalle zwischen vier und zwölf Metern tief im Untergrund. Entsprechend wichtig sind eine gute Abdichtung und Material, das den Umwelteinflüssen unter der Erdoberfläche dauerhaft standhält. Die Decke über der Dreifachturnhalle besteht aus vorgefertigten Betonelementen und hält den hohen horizontalen Kräften des Erddrucks stand.
Die Wände der Turnhalle hat das Bauingenieursteam allerdings ökologisch optimiert, indem sie als gerippte Wände geplant wurden. Das spart Beton.
Bald wird im neuen Schulhaus von Root geturnt
Ende Mai 2026 fand auf der Baustelle das Richtfest statt; der Rohbau aus Holz, Stahl und Beton war vollendet – und damit auch die Arbeit des Tragwerksplanungsteam von Basler & Hofmann. Im Juni soll noch das Dach aus Holz gebaut werden und darauf zwei Technikräume. Das Dach wird ausserdem begrünt und mit Photovoltaik-Anlagen bestückt.
Läuft weiterhin alles nach Plan, können die Schülerinnen und Schüler die Dreifachturnhalle ihres neuen Schulhauses in Root im Frühjahr 2027 in Betrieb nehmen. Die Klassenzimmer folgen etwas später. Die Kinder und Jugendlichen werden unter den Holzdecken hoffentlich entspannt lernen können. Holz sorgt für eine warme, beruhigende Atmosphäre. Zu diesem Schluss kommt unter anderem die Metastudie «Gesundheitliche Interaktion von Holz – Mensch – Raum», an der Miriam Kleinhenz einst als wissenschaftliche Mitarbeiterin der TU München mitwirkte.
Tagesaktuelle Bilder vom Schulbau Hagenmatt in Root: Webcam und Zeitraffer der Baustelle


