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Nachhaltigkeit
11. Juni 2026 – Beitrag

Erstes Minergie-Areal der Zentralschweiz

Visualisierung des künftigen ewl-Areals
Quelle: Artefactorylab

In Nähe des Bahnhofs Luzern entsteht bis 2032 mit dem ewl-Areal eines der ersten Minergie-Areale der Schweiz. Es bietet zahlreichen Wohnraum und mehrere hundert Arbeitsplätze. Basler & Hofmann begleitet unter anderem die Nachhaltigkeits-Zertifizierung des Grossprojekts. Roger Seiler, Projektleiter bei der Halter AG, spricht im Interview über Herausforderungen und die Klimafreundlichkeit des Areals.

Es ist ein bedeutendes Stadtentwicklungsprojekt für Luzern: Auf rund 20’000 Quadratmetern entstehen gemeinnützige Wohnungen der allgemeinen Baugenossenschaft Luzern, Alterswohnungen und neue Räumlichkeiten für die ewl und städtische Dienstabteilungen. Ausserdem zieht die Feuerwehr der Stadt Luzern, der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals sowie die Zivilschutzorganisation Pilatus auf dem ehemaligen Gaswerkareal ein. 

«Das Areal zeichnet sich unter anderem durch die Vielfalt der Nutzungen aus. Nutzungsbedingte Bauten im Untergeschoss und teilweise erhöhte Anforderungen an Nutzlasten, z.B. für die Einstellhallen der Feuerwehr, erfordern eine erhöhte Menge an Beton. Daher war eine der verschiedenen Herausforderung, die Vorgaben der grauen Treibhausgasemissionen seitens Minergie-Areal trotzdem zu erfüllen. Dank interdisziplinärem Austausch ist uns dies für die provisorische Zertifizierung gelungen», so Christoph Lehmann, Teamleiter Nachhaltiges Bauen bei Basler & Hofmann. Basler & Hofmann ist zusätzlich zur Begleitung der Zertifizierung nach Minergie-Areal mit verschiedenen Disziplinen in das Projekt involviert, das von Halter AG als Gesamtleiter realisiert wird. Dazu gehören die Geotechnik, der Spezialtiefbau, die Erdbebensicherheit und der Objektschutz.

Im Interview mit Minergie spricht Roger Seiler, Projektleiter bei der Halter AG, über die Hintergründe der Zertifizierung nach Minergie-Areal und die Herausforderungen, die die nachhaltige Entwicklung eines Areals dieser Grösse mit sich bringt.

Weshalb hat man sich beim ewl-Areal für die Minergie-Areal-Zertifizierung entschieden? Was waren die entscheidenden Punkte?

Roger Seiler: Gemäss Gestaltungsplan war das ewl-Areal ursprünglich als 2000-Watt-Areal zu zertifizieren. Da dieses Zertifikat seit Ende 2023 nicht mehr vergeben wird, hat der Verwaltungsrat der ewl-Areal AG Ende 2024 entschieden, das Minergie-Areal als geeignetes Nachfolgeinstrument zu nutzen. Nach einer umfassenden Evaluation der beiden Nachfolge-Labels – Minergie-Areal und SNBS-Areal – erwies sich das Minergie-Areal als die besser geeignete Lösung, da es die Vorgaben aus dem Gestaltungsplan hinsichtlich des Projektfortschritts optimal abbildet.

«Der Standard Minergie-Areal bietet einen klaren Fokus auf energetische Themen, sowohl in der Erstellung als auch im Betrieb.»

Welche Vorteile bietet der Standard Minergie-Areal aus Ihrer Sicht?

Roger Seiler: Der Standard Minergie-Areal bietet einen klaren Fokus auf energetische Themen, sowohl in der Erstellung als auch im Betrieb. Die strukturierte Gliederung in fünf Themenbereiche wie Einzelgebäude, Areal-Management, Energie und Treibhausgase, Komfort und Klimaanpassung sowie Mobilität ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung des Areals. Zudem schätzen wir die konstruktive Zusammenarbeit mit der Minergie-Zertifizierungsstelle, die eine lösungsorientierte Umsetzung der projektspezifischen Anforderungen ermöglicht. Die Dienstabteilung Umweltschutz der Stadt Luzern hat die Wahl des geeigneten Nachfolgeinstruments für die Gestaltungsplanvorgaben kooperativ begleitet.

Was sind beim ewl-Areal die grössten Herausforderungen in Bezug auf die Areal-Zertifizierung?

Roger Seiler: Eine zentrale Herausforderung besteht in der Erfüllung der PV-Anforderungen: Trotz hoher Belegungsdichte der Dachflächen können diese allein die Anforderungen nicht vollständig abdecken, weshalb zusätzlich Fassadenflächen mit PV-Modulen belegt werden müssen. Durch Verschattung – sowohl arealseitig als auch durch angrenzende Gebäude – eignen sich jedoch nicht alle Fassaden gleichermassen. Zudem erfordert die Integration des denkmalgeschützten Roten Hauses, das nicht nach Minergie zertifiziert werden kann, eine differenzierte Betrachtung auf Arealebene. Dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit der Zertifizierungsstelle konnten pragmatische Lösungen gefunden werden, die sowohl den Anforderungen des Labels als auch den projektspezifischen Rahmenbedingungen gerecht werden.

Wie sehen diese Lösungen aus?

Roger Seiler: Die Photovoltaik-Anlage wurde nach einer umfassenden Analyse systematisch optimiert. Der Schwerpunkt liegt auf den Dachflächen beider Etappen. Ergänzend wurden nach eingehender Prüfung durch den Elektroplaner beim ewl-Bürogebäude auch verschiedene optimal ausgerichtete Fassadenflächen mit PV ausgestattet. Aufgrund eines sich in Realisierung befindenden Neubaus auf dem Nachbargrundstück musste die Fassaden-PV-Fläche teilweise reduziert werden, um künftige Verschattungseffekte zu berücksichtigen. Insgesamt sind über beide Etappen rund 1'040 Kilowatt-Peak geplant.

So könnte es bei einem Rundgang durch das künftige ewl-Areal dereinst ausschauen.
Quelle: Artefactorylab
«Ein besonderes Merkmal ist die nachhaltige Energieversorgung: Das Areal wird nahezu ausschliesslich über die Seewassernutzung mit fossilfreier Wärme und Kälte versorgt.»

Was zeichnet das ewl-Areal in Bezug auf die Nachhaltigkeit aus, beziehungsweise was macht es besonders?

Roger Seiler: Das ewl-Areal verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Bereits in einer frühen Planungsphase wurde auf die Reduktion der Ressourcen in der Erstellung geachtet und es wurden konsequent vielfältige ökologische Aspekte in die Umgebungsplanung integriert. Ein besonderes Merkmal ist die nachhaltige Energieversorgung: Das Areal wird nahezu ausschliesslich über die Seewassernutzung mit fossilfreier Wärme und Kälte versorgt. Mit einer Absichtserklärung zur Stromversorgung durch Ökostrom nach dem Label «naturemade star» strebt die ewl-Areal AG eine vollständig erneuerbare Stromversorgung über die gesamte Betriebsdauer an. Ergänzend setzt das Areal auf ein innovatives Mobilitätskonzept, das die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr sowie Sharing-Angebote gezielt fördert und den motorisierten Individualverkehr auf dem Areal reduziert.

Gibt es diesbezüglich Bereiche, bei denen Sie neue Wege gehen?

Roger Seiler: Das ewl-Areal profitiert vom Ausbau der Seewassernutzung als nachhaltige Quartier-Energiezentrale, die auch der weiteren Nachbarschaft zur Verfügung steht. Damit entsteht eine zukunftsweisende Infrastruktur für die nachhaltige Wärme- und Kälteversorgung über das eigentliche Areal hinaus. Zudem wird ein umfassendes Energiemanagementsystem implementiert, das den Energiebezug mit der Eigenproduktion abgleicht und so den Verbrauch optimal regelt.

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