Immobilien
Nachhaltigkeit
13. April 2026 – Beitrag

Neues SNBS-Label zur Zertifizierung von Nachhaltigkeit im Gebäudebestand

Alexandre Pâris ist Nachhaltigkeitsspezialist bei Basler & Hofmann und einer der ersten «Certified Experts» in der Schweiz für den neuen Standard «SNBS Bestand und Betrieb».

Wollen wir die Schweizer Klimaziele erreichen, müssen wir den Gebäudepark ins Auge fassen. Das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) hat deshalb das neue Label «SNBS Bestand und Betrieb» geschaffen. Basler & Hofmann hat den neuen Standard getestet und gehört zu den ersten Unternehmen, die Immobilienverantwortliche in der Zertifizierung ihres Bestands unterstützen können.

Dass man sich als Immobilienbesitzerin oder Portfoliomanager angesichts der vielen Facetten und Anforderungen rund um das Thema Nachhaltigkeit zwischenzeitlich im Dickicht eines Dschungels wähnt, ist verständlich. Entsprechend gross ist der Bedarf an Orientierungshilfen und belastbaren Kennzahlen. Während es für Neubauten in der Schweiz mit dem «SNBS Hochbau» einen umfassenden, vom Markt anerkannten Standard für nachhaltiges Bauen gibt, fehlte bis anhin ein Anschlussprodukt für Bestandsgebäude. Mit der Lancierung des «SNBS Bestand und Betrieb» hat das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) am 9. April 2026 diese Lücke geschlossen. Der Bedarf ist sicherlich da: Die bestehenden Gebäude der Schweiz verbrauchen zusammen 40% des Endenergiebedarfs der Schweiz und sind für rund einen Drittel des CO2-Austosses verantwortlich.* Der neue Standard unterstützt Immobilieneigentümerinnen und -betreiber dabei, ihre Liegenschaften zu bewerten, den Gebäudebetrieb zu optimierten, Sanierungsstrategien zu entwickeln und Nachhaltigkeitsnachweise gegenüber Investorinnen und Investoren zu erbringen.

Zertifizierte Nachhaltigkeitsanalysen für bestehende Gebäude

Die Expertinnen und Experten für Nachhaltigkeit von Basler & Hofmann haben den neuen Standard in einer Pilotphase getestet. Im Interview erörtert Alexandre Pâris, einer der schweizweit ersten «Certified Experts» für den «SNBS Bestand und Betrieb», worin die Herausforderung in der Nachhaltigkeitsanalyse von bestehenden Gebäuden liegen, für wen sich eine Zertifizierung nach «SNBS Bestand und Betrieb» lohnt und wie er die Pilot-Zertifizierung eines Geschäftshauses von Basler & Hofmann in Esslingen erlebt hat.

«Auf Grund der mittlerweile grossen Akzeptanz des «SNBS Hochbau» auf dem Immobilienmarkt gehe ich davon aus, dass sich der neue Standard rasch auf dem Markt etablieren wird.»
Wenn es um Nachhaltigkeitsstandards für Immobilien geht, ist gerne die Rede von einem «Label-Dschungel». Mit «SNBS Bestand und Betrieb» lanciert das Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) ein weiteres Label. Wozu?

Alexandre: Der «SNBS Hochbau» hat sich in der Schweiz als umfassendster Nachhaltigkeitsstandard für Neubauten etabliert. Mit dem «SNBS Bestand und Betrieb» will das Netzwerk NNBS die Label-Kontinuität über den Lebenszyklus von Immobilien sicherstellen. Die Bewertungskriterien der beiden Standards basieren auf derselben Struktur. Was den Anschluss an internationale Standards angeht, so ist der NNBS gemäss eigenen Angaben bereits in einem intensiven Austausch mit GRESB, dem Global Real Estate Sustainability Benchmark. Das Ziel ist, dass der neue Standard wie schon der «SNBS Hochbau» als sogenanntes «Operational Green Building Certification Scheme» anerkannt wird. Auf Grund der mittlerweile grossen Akzeptanz des «SNBS Hochbau» auf dem Immobilienmarkt gehe ich davon aus, dass sich der neue Standard rasch auf dem Markt etablieren wird.

Der «SNBS Bestand und Betrieb» dockt an den «SNBS Hochbau» an und schliesst damit die bisherige Lücke zwischen Neubau und Betrieb.
Quelle: NNBS
Für welche Arten von Immobilien eignet sich der neue Standard «SNBS Bestand und Betrieb»?

Alexandre: Der Standard eignet sich für alle Nutzungskategorien, also Wohnhäuser, Geschäftshäuser, Einkaufszentren, Schulhäuser usw. Einzige Bedingung ist, dass die Gebäude mindestens drei Jahre alt sind. Der Standard unterstützt Immobilieneigentümer- und -betreiberinnen dabei, Einzelgebäude wie auch das gesamte Portfolio nach einheitlichen Kriterien punkto Nachhaltigkeit zu bewerten und letztendlich eine Immobilienstrategie festzulegen. 

Welche Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt der neue Standard?

Alexandre: Der «SNBS Bestand und Betrieb» orientiert sich an 12 Bewertungskriterien und deckt damit ein breites Spektrum an Nachhaltigkeitsthemen in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft ab. Dazu gehören unter anderem Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Kreislauffähigkeit, Nutzerkomfort, Hitzeanpassung und Biodiversität. Auch wenn die Kriterien einzeln bewertet werden, sind sie eng ineinander verzahnt: So können Grünflächen zum Beispiel einen Beitrag zur Biodiversität sowie zur Hitzeanpassung leisten. 

«Bestandsgebäude haben im Unterschied zu Neubauten eine Geschichte und sind belebt. Während dem Zertifizierungsprozess muss man deshalb ein bisschen «Sherlock Holmes» sein.»
Du bist schweizweit einer der ersten «Certified Experts», die eine Zertifizierung nach «SNBS Bestand und Betrieb» begleiten können. Worin liegt die Herausforderung bei der Zertifizierung von Bestandsbauten?

Alexandre: Bestandsgebäude haben im Unterschied zu Neubauten eine Geschichte und sind belebt. Während dem Zertifizierungsprozess muss man deshalb ein bisschen «Sherlock Holmes» sein: Man kann sich nicht nur auf die ursprünglichen Pläne berufen, sondern muss sämtliche Unterlagen zusammentragen, die Veränderungen am Gebäude über die Zeit dokumentieren. Dazu kommen als Ergänzung Besichtigungen vor Ort und Gespräche oder Umfragen mit den Nutzerinnen und Nutzern. Es haben zudem alle Immobilienmanager unterschiedliche Methoden, wie sie ihre Immobilienkennzahlen festhalten. Auch da gilt es, offen zu bleiben und in Gesprächen die Essenz des Gebäudebestands zu erfassen. 

Eines der drei Geschäftshäuser in Esslingen war eines der Pilotobjekte für den Test des «SNBS Bestand und Betrieb».
Basler & Hofmann hat bei der Entwicklung des neuen Standards in der Pilotphase mitgewirkt. Was habt ihr genau gemacht?

Alexandre: Basler & Hofmann ist Gründungsmitglied des NNBS. Wir haben zudem schon zahlreiche Bauherrschaften in der Zertifizierung nach «SNBS Hochbau» begleitet. Für uns war es entsprechend klar, dass wir unsere Nachhaltigkeitsexpertise auch in die Zertifizierung von Bestandsliegenschaften einbringen wollen. Zusammen mit der Rehalp Verwaltungs AG hatten wir die Gelegenheit, 2025 im Rahmen einer Pilotphase für den NNBS den neuen Standard «SNBS Bestand und Betrieb» an einem unserer drei Geschäftshäuser in Esslingen auf dessen Anwendbarkeit, Aussagekraft und Nutzen für die ökologisch nachhaltige Immobilienentwicklung zu testen.

«Nachhaltigkeit ist kein statisches Konzept, sondern entwickelt sich laufend weiter.»
Unser Geschäftshaus in Esslingen hat als Pilotobjekt die Note 4.2 von 6 erhalten. Was heisst das nun konkret für die Eigentümerin? 

Alexandre: Das Geschäftshaus wurde 2010 als fast energieautarkes Bürogebäude mit Minergie-P-Eco-Zertifikat in Betrieb genommen. Es verfügt über eine Solarthermieanlage, gebäudeintegrierte Photovoltaik, einen Erdspeicher und nutzt die Serverkühlung für die Wärmegewinnung. Man hat bei der Planung und dem Bau damals viel Wert auf die ökologische Nachhaltigkeit gelegt. Das widerspiegelt sich in der Bewertung nach dem «SNBS Bau und Betrieb» nach nun 15 Betriebsjahren. Der Bewertungsprozess hat ergeben, dass das Gebäude in vielen Nachhaltigkeitsaspekten auch nach 15 Jahren noch gut performt. Dass die Schlussnote nicht höher liegt, ist darauf zurückzuführen, dass in den letzten 15 Jahren neue Nachhaltigkeitsaspekte dazugekommen sind. Vor 15 Jahren lag der Fokus beim Bauen und Betreiben von Immobilien vorwiegend auf Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Das Beispiel zeigt: Nachhaltigkeit ist kein statisches Konzept, sondern entwickelt sich laufend weiter. Die Bewertung nach «SNBS Bestand und Betrieb» bietet der Eigentümerin nun eine objektive Basis für die Weiterentwicklung der Immobilie.  

Mit «Stratus» hat Basler & Hofmann eine Software für das professionelle Immobilien-Portfoliomanagement auf dem Markt. Die Software ist bei zahlreichen Immobilienverantwortlichen in der Schweiz im Einsatz. Siehst du Synergien zwischen der Zustandsbewertung nach Stratus und der Bewertung nach «SNBS Bestand und Betrieb»? 

Alexandre: Absolut. In Stratus können Immobilienverantwortliche wichtige Kennzahlen zum baulichen und energetischen Zustand ihrer Liegenschaften erfassen. Wollen sie eine Zertifizierung nach «SNBS Bestand und Betrieb» machen, haben sie bereits eine breite Datengrundlage, das macht den Bewertungsprozess für den Standard sehr effizient. Wer mit Stratus arbeitet, hat zusätzliche Vorteile zur Bewertung nach SNBS. So bietet die Software zusätzlich zur Erfassung des aktuellen Zustands bezüglich Nachhaltigkeit auch die Möglichkeit, Massnahmen, die vom SNBS empfohlen werden, mit finanziellen Aspekten kombiniert zu betrachten. So lässt sich eine Investitionsplanung erstellen, die Werterhalt und Nachhaltigkeit optimal verbindet. 

Medienmitteilung des NNBS vom 9. April 2026: SNBS schliesst Lücke

* Bundesamt für Energie, 09.04.2026: Gebäude 

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