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15 Jahre Planung: Alpenrhein-Dossier bei den Behörden eingereicht

Alpenrhein Frutzmündung
Heute ist der Alpenrhein kanalisiert. Im Bild: Die Frutzmündung.

Nach 15 Jahren Planung hat das binationale Hochwasserschutzprojekt Alpenrhein («Rhesi») einen entscheidenden Meilenstein erreicht: Die Projektunterlagen wurden in Österreich zur Genehmigung eingereicht und in der Schweiz zur Vorprüfung übergeben. Basler & Hofmann leitet das internationale Planungsteam und verantwortet die Projektierung eines der vier Rheinabschnitte. «Rhesi» ist Europas grösstes Renaturierungsprojekt.

Für Markus Mähr, interimistischer Geschäftsführer der Internationalen Rheinregulierung, war die Abgabe der Projektunterlagen zur behördlichen Prüfung Ende Mai 2026 «ein historischer Moment» (vgl. Medienmitteilung). 15 Jahre Planungsarbeit stecken in dem Dossier. Entsprechend umfangreich ist es: Das «Rhesi»-Dossier umfasst 763 Einlagen, 145 Fachberichte und Pläne mit einer Gesamtfläche von 500 Quadratmetern. 

«Wir haben uns die Finger beim Verfassen der 145 Berichte mit insgesamt rund 23'000 Seiten fast wund geschrieben», sagt Christoph Rüedlinger, Leiter Wasser bei Basler & Hofmann mit einem Augenzwinkern. Er ist Gesamtprojektleiter für die Schweizer Seite des binationalen Grossprojekts und leitet gleichzeitig das internationale Planerteam aus neun Planungsbüros. Sein Team projektiert zudem einen von vier Rhein-Abschnitten. Als Leiter des internationalen Planungsteams hat Christoph übrigens einen Grossteil der 23'000 Seiten des Bewilligungsdossiers selbst gelesen – teils mehrmals.

Schutz vor einem 300-jährigen Hochwasser 

«Rhesi» steht für «Rhein, Erholung und Sicherheit» und damit für den Kern des Hochwasserschutzprojekts. Auf dem 26 Kilometer langen Flussabschnitt zwischen der Illmündung auf der Höhe Rüthi (CH) / Feldkirch (AT) und dem Bodensee bestehen die grössten Hochwasserrisiken am gesamten Alpenrhein. Die über 100 Jahre alten Dämme sind in einem schlechten Zustand und die Abflusskapazität des Flusses ist zu gering. Ein sehr grosses Hochwasser könnte im dicht besiedelten Rheintal Schäden in zweistelliger Milliardenhöhe verursachen. 

Frutzmündung Zukunft
Das Bild der Zukunft: Das Flussbett soll so umgestaltet werden, dass die Abflusskapazität um 40 Prozent steigt. Visualisierung: Die Frutzmündung nach Projektumsetzung.

Mit dem Grossprojekt «Rhesi» soll der Hochwasserschutz für die rund 300'000 Bewohnerinnen und Bewohner und den wichtigen Wirtschaftsraum Rheintal verbessert werden. Das Tal soll vor einem Hochwasser geschützt sein, das statistisch einmal in 300 Jahren auftritt. Heute können im Flussbett 3'100 m3/s Wasser abfliessen; was einem Hochwasser entspricht, das statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt. Künftig soll die Abflusskapazität auf 4’300 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden.

Die bestehenden Hochwasserschutzdämme werden erneuert oder saniert. Zusätzlich sind sogenannte Notentlastungen vorgesehen, um Dammbrüche im Falle eines noch grösseren Extremhochwassers zu verhindern. Dabei wird die Dammkrone an einigen Stellen leicht abgesenkt, so dass im Extremfall Wasser kontrolliert aus dem Rhein in Gebiete mit einem geringen Schadenpotential abgeleitet wird.

Grösstes Renaturierungsprojekt Europas

Mit «Rhesi» entsteht nicht nur ein grosses binationales Hochwasserschutzprojekt, sondern auch das grösste Renaturierungsprojekt Europas, wie die Internationale Rheinregulierung schreibt. Durch die Aufweitung des Rheinbetts – die sogenannte Gerinneaufweitung – soll der Rhein vom begradigten Kanal wieder zu einer lebendigen Flusslandschaft mit Flussarmen, Sandbänken, Auenbereichen und Tiefstellen werden. So sollen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen. Auch wird das Gebiet für die Naherholung besser erschlossen, etwa mit Velo- und Fussgängerwegen entlang der Dämme oder mit Liegewiesen direkt am Fluss.

Alpenrhein kanalisiert Widnau - Lustenau
Heute ist der Alpenrhein kanalisiert, hier im Gebiet Widnau - Lustenau (Viscose).
Alpenrhein im Gebiet Widnau - Lustenau (Viscose) in Zukunft
So soll der Alpenrhein im Gebiet Widnau - Lustenau (Viscose) in Zukunft aussehen.
Unterschiedliche Bewilligungsverfahren in beiden Ländern

Damit das Grossprojekt umgesetzt werden kann, muss es in der Schweiz und Österreich genehmigt werden. In Österreich startete mit der Einreichung des Dossiers das Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). In der Schweiz wurden die Unterlagen beim Bund und beim Kanton St. Gallen zur Vorprüfung eingereicht, was den Weg für die spätere öffentliche Auflage ebnet. 

Generationenprojekt, auch für Basler & Hofmann

Basler & Hofmann ist mit Fachleuten aus Wasserbau, Geoinformatik, Brückenbau und Geotechnik ins Projekt involviert. Unsere Fachleute haben unter anderem vom zukünftigen Flusslauf erstellt ein 3D-Planungsmodell, aus dem auf Knopfdruck 2D-Päne generierbar sind. 

Für Christoph Rüedlinger ist die Projektarbeit «sehr sinnstiftend und motivierend», wie er sagt. Von dem Projekt profitieren die Bevölkerung und die Natur: «Die Menschen werden besser von Hochwassern geschützt und der Alpenrhein wieder ein naturnaher Fluss werden», sagt Christoph. «Es ist ein Glücksfall für mich, dass ich in meiner beruflichen Laufbahn ein so aussergewöhnliches Grossprojekt im Wasserbau bearbeiten und planerisch koordinieren darf.» 

Es ist auch ein Generationenprojekt. Allein die Bauarbeiten werden voraussichtlich 20 Jahre dauern.

Weitere Informationen:

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