Nachhaltigkeit
Umwelt
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Ein Jahr danach: Die Natur kehrt zurück

Vegetationsaufnahme Umweltbaubegleitung am Kerenzerberg
Beatrix Junghardt, Projektingenieurin bei Basler & Hofmann, bei der Vegetationsaufnahme am Kerenzerberg, 2026.

Wo vor einem Jahr noch eine braune Fläche war, blühen heute Margeriten, Kartäusernelken und Natternköpfe. Am Kerenzerberg zeigt sich eindrücklich, wie ökologische Ausgleichsmassnahmen neuen Lebensraum schaffen. Basler & Hofmann ist Teil dieser Umweltbaubegleitung, die mit der Tunnelbaustelle am Kerenzerberg verbunden ist.

«Vor einem Jahr war es hier noch braun; jetzt blüht alles! Das ist wunderbar anzusehen», sagt Beatrix Junghardt, Projektingenieurin bei Basler & Hofmann. Die Umweltnaturwissenschaftlerin steht am Kerenzerberg (GL), geht in die Hocke und beginnt mit der Vegetationsaufnahme. Sie prüft, welche Pflanzenarten seit letztem Jahr gewachsen sind. Es sind einige: Beatrix findet an dieser Stelle zum Beispiel den gewöhnlichen Natternkopf, der seine blauen Blüten himmelwärts reckt. Daneben zeigt die Kartäusernelke ihre purpurfarbenen und die Margerite ihre weissen Blüten. Diese Arten sind typisch für Magerwiesen.

Pinselkäfer Indikator Biodiversität
Auch der Pinselkäfer gilt als ein Indikator für Biodiversität. Auf der neuen Magerwiese am Kerenzerberg besucht er eine Skabiosen-Flockenblume.
Ökologische Ausgleichs- und Ersatzmassnahme

Im Frühsommer 2025 hatten Bagger an dieser Stelle die oberste, nährstoffreiche Bodenschicht abgetragen, um so die Voraussetzung für eine Magerwiese zu schaffen. Im Sommer nach dem Bodenabtrag folgte dann die Aussaat. Die Magerwiese, die hier nun erstmals blüht, ist eine ökologische Ausgleichs- und Ersatzmassnahme. Sie ist im Auftrag des Bundesamts für Strassen (Astra) entstanden – als Ausgleich für die Umwelteingriffe, die mit der Tunnelbaustelle am Kerenzerberg verbunden sind. Der Kerenzerbergtunnel auf der Autobahn A3 wird in diesen Jahren umfassend instandgesetzt und sicherheitstechnisch aufgerüstet.

Beatrix ist Teil der Ingenieurgemeinschaft (IG) mit Basler & Hofmann AG und Sieber Cassina + Partner AG. Die IG hat die Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen geplant und begleitet nun deren Umsetzung.

Boodenabtrag 2025, Resultat 2026
Wo vor einem Jahr der nährstoffreiche Boden abgetragen wurde (Foto links), blüht im Juni 2026 eine Magerwiese (Foto rechts).
Über 45 Pflanzenarten nach nur einem Jahr

Auf dem Feld, das letztes Jahr noch braun war, zählt Beatrix im Juni 2026 bei ihrer Vegetationsaufnahme über 45 Pflanzenarten. Ein sehr gutes Resultat. 

«Am Kerenzerberg soll ein Lebensraummosaik entstehen, in dem sich unterschiedlichste Arten wohlfühlen», erklärt Beatrix. Dazu gehören auch Tiere. Für sie wurden unter anderem Hecken, Stein- und Asthaufen angelegt. 

Die Hecken – der grösste Teil entlang des Autobahnzauns – vernetzen die Waldstücke im Gebiet; Rehe und Hasen bewegen sich gern in solchen Hecken. Reptilien wie Eidechsen und andere Kleintiere nutzen die Steinhaufen als Unterschlupf und Winterquartier. Und die Asthaufen bieten Kleinsäugern wie Mäusen, aber auch Amphibien und Reptilien Unterschlupf. Auch Vögel nisten gern in Asthaufen. Letztere locken ausserdem Insekten an, die ihrerseits Nahrung für die Vögel sind. 

Asthaufen für Biodiversiät
Neu angelegte Strukturen wie Asthaufen bieten Tieren Unterschlupf.
Auch Umbruchstreifen bewirken mehr Artenvielfalt

Magerwiesen gedeihen nur auf nährstoffarmem Boden. Ist ein Feld schon einigermassen nährstoffarm, soll aber für noch mehr Artenvielfalt optimiert werden, so kann dies mit einem Bodenumbruch in Streifen erreicht werden. 

Auf einem anderen Feld am Kerenzerberg fand 2025 ein solcher Bodenumbruch statt: Ein Traktor zog einen Pflug, der die oberste Bodenschicht umbrach und Steine aus einer tieferen Schicht nach oben brachte. So entstand streifenweise ein noch etwas humusärmerer und damit für Magerwiesen optimaler Boden.

Vergleich 2025 Umbruchsstreifen, 2026 Magerwiese
Auf diesem Feld am Kerenzerberg wurde 2025 der Boden in Streifen umgebrochen. 2026 ist nun erkennbar, wie entlang des Umbruchstreifens mehr Magerwiesenpflanzen wie Margeriten oder die Gemeine Schafgarbe aufkommen.
Magerwiesen-Aufbau noch bis circa 2030

In den nächsten Jahren werden Beatrix und ihr Team die Entwicklung der Flächen weiter begleiten. Mit zunehmender Artenvielfalt gewinnen die Magerwiesen weiter an ökologischer Qualität. Voraussichtlich 2030 werden die Flächen an die Landwirtschaftsbetriebe übergeben, die sie künftig extensiv bewirtschaften werden.

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