Altlasten: So wird die Deponie Ritzer saniert

Die ehemalige Deponie Ritzer in Küttigen (AG), zuletzt ein Fussballplatz, wird aufgrund von Altlasten saniert. Basler & Hofmann hat das Sanierungskonzept entworfen. Das Besondere daran: Der Abfall bleibt im Boden, das austretende Deponiegas und das Schmutzwasser werden vor Ort behandelt und unschädlich gemacht.
Bis in die 1970er Jahre war die Deponie Ritzer am Dorfrand von Küttigen eine Kehrichtdeponie wie viele andere in der Schweiz. Die Gemeinde und die Stadt Aarau entsorgten hier ihre Hausabfälle und alles, was nicht mehr gebraucht wurde, auch mal Velos, Kleider, Autoteile. Später nutzte der FC Küttigen die Oberfläche als Fussballplatz, bis dann 2016 klar wurde: Soll das Gebiet langfristig gefahrlos genutzt werden, ist eine Altlasten-Sanierung nötig.
Die Sanierung ist ein Generationenprojekt. Im Fachjargon ist Ritzer eine «mit Wasser eingestaute Deponie mit Gasentwicklung». Deren Entgasung wird wohl erst um das Jahr 2055 abgeschlossen sein. Danach soll die Deponie weitere 30 Jahre überwacht werden.
«Ich hätte nie mit diesen Zeitdimensionen gerechnet», sagt Stefan Renggli, Leiter Tiefbau der Gemeinde Küttigen. «Würde hier nicht saniert, würden die Deponiegase weitere 200 Jahre unkontrolliert entweichen.» «Durch unsere Sanierungsmethode beschleunigen wir den Zerfallsprozess in der Deponie,» erklärt Niccolà Schaub, Teamleiterin Altlasten und Umweltchemie bei Basler & Hofmann, «so dass schon in 30-40 Jahren kaum noch Methangas entweichen sollte.» Der Boden über der Deponie wird dank der Sanierung bald wieder als Sportplatz genutzt werden können.
Altlasten werden vor Ort unschädlich gemacht
«Der eine oder andere im Dorf denkt wohl noch immer, dass wir alles Material aus der Deponie herausholen und entsorgen», sagt Stefan Renggli. Doch der Abfall wird nicht abtransportiert. Die 20 Meter dicke Müllschicht aus rund 300'000 m3 Kehricht und Aushub bleibt im Boden. Die gewählte Methode ist eine In-Situ-Sanierung, eine Sanierung vor Ort. Damit kein gesundheitsschädliches Gas und kein Schmutzwasser mehr entweicht, wird der Deponiekörper rundherum abgedichtet, entwässert und entgast.
Basler & Hofmann hat das Sanierungskonzept entworfen und die Gesamtleitung für die Projektierung und die Ausführung der Sanierungsanlagen. Unsere Fachleute aus Umweltchemie, Spezialtiefbau, Brand- und Explosionsschutz, Anlagen- und Verfahrenstechnik arbeiten am Projekt. «Das Ziel ist, dass wir Anfang 2027 mit dem Absenken des Deponiesickerwasserspiegels und dem Absaugen der Deponiegase beginnen können», sagt Niccolà Schaub.
In-situ-Sanierung ist kosteneffizienter als ein Aushub
Die In-situ-Sanierung der Deponie Ritzer kostet den Bund und den Kanton, die Stadt Aarau und die Gemeinde Küttigen rund 50 Millionen Franken. Die Methode ist wesentlich günstiger, als es ein Aushub wäre. «Die Aushub-Variante hätte rund zehn Mal mehr gekostet», berichtet Renggli. Der Aushub, der Transport und die Entsorgung des verschmutzten Materials in hochspezialisierten Anlagen – üblicherweise im Ausland – hätten nicht nur höhere Kosten, sondern auch mehr Emissionen verursacht. Deshalb folgte die Gemeinde Küttigen der Empfehlung von Basler & Hofmann und beantragte eine «In-situ»-Sanierung beim Kanton.
Deponie abdichten und Gas-Drainage vorbereiten
Seit 2024 laufen die Bauarbeiten auf der Deponie. Eine Abdichtungswand wurde erstellt, verschiedene Bodenschichten angelegt, die durch schwarzes Vlies abgetrennt wurden.
Eine der Schichten besteht aus rezykliertem Misch-Abbruch-Granulat (Migra); sie wird künftig als Gas-Drainageschicht dienen. Die Rohre darin werden das Deponiegas sammeln und es zu einer eigens dazu erstellten Technikanlage am Rand der Deponie leiten. Im dortigen Betriebsgebäude wird das Deponiegas – vor allem Methangas – in weniger schädliches CO2 umgewandelt.
Parallel zur Entgasung wird im Deponiekörper der Zerfall der organischen Abfälle beschleunigt. Dazu muss der Wasserspiegel abgesenkt und Luft aktiv aus der Deponie gesaugt werden. So verändert sich das Milieu mit der Zeit von sauerstoffarm (anaerob) zu sauerstoffreich (aerob). Das Ziel: Die Lebensbedingungen für die im Müll aktiven Mikro-Organismen sollen verbessert werden, sodass sie die organische Substanz möglichst rasch abbauen.
In 30 bis 40 Jahren sollen sie die organische Substanz grösstenteils mineralisiert haben. Zurück bleibt hauptsächlich «totes», inertes Material, und es entstehen keine relevanten Mengen an Deponiegas mehr.
Vertikalschacht als Kernstück für die Entwässerung
Im April 2026 steht auf der Deponie ein weisses Zelt. Darin befindet sich der Eingang zu einem tiefen Schacht. Dieser hat einen Durchmesser von sieben Metern und dringt 25 Meter tief in den Deponiekörper hinein. Der Vertikalschacht ist das Kernstück für die Entwässerung der Deponie.
Es dröhnt und rauscht aus der Tiefe. Unten im Vertikalschacht rattert eine Bohrmaschine, Lüftungsrohre saugen verschmutzte Luft ab, während Baufachleute in Schutzanzügen und Atemschutz an der Arbeit sind.
Sie bohren sechs 100 Meter lange Kanäle sternförmig und horizontal in den Abfallberg. In diese sechs horizontalen Brunnen» werden Rohre für die Entwässerung der Deponie gelegt. Sie sollen das Sickerwasser, das sich in der Deponie aufgestaut hat, sammeln und abführen. «Was alles in der Deponie drin ist, weiss niemand genau», sagt Niccolà Schaub. Deshalb ist der Arbeits- und Gesundheitsschutz im Umgang mit Altlasten besonders wichtig.
Im Betriebsgebäude wird das Gas unschädlich gemacht
Im Betriebsgebäude am Rand der Deponie befinden sich die Technikanlagen für die Entgasung und die Sickerwasser-Behandlung. Ab 2027 werden hier alle potenziell gesundheitsschädlichen Stoffe eliminiert. Adrian Wildhaber, Projektleiter für Verfahrenstechnik bei Basler & Hofmann, hat die Anlagen geplant.
Sobald die Brennkammern im Jahr 2027 in Betrieb gehen, wird darin das Methan (CH4) mit Hilfe elektrischer Kerzen auf bis zu 950 Grad Celsius Oxidationstemperatur erhitzt und in Kohlendioxid (CO2) umgewandelt. Das gesundheitlich unbedenkliche CO2 wird dann über einen Kamin in die Luft abgelassen. Dieser Prozess zur Entgasung dauert voraussichtlich bis ins Jahr 2060 an.
Links:
- Die Gemeinde dokumentiert den Baufortschritt laufend hier.
- Projekt: Sanierung Altlasten Deponie Ritzer, Küttigen


