Berufsbild Bauherrenberater: Tobias Schär über seine Aufgaben

Was genau macht eigentlich ein Bauherrenberater? Tobias Schär, Architekt ETH und seit 17 Jahren in der Bauherrenberatung tätig, gibt Einblick in ein Berufsbild zwischen Strategie, Projekt- und Teamführung, Verhandlung und Qualitätskontrolle. Er erzählt, warum ihn die Bauherrschaften engagieren, wie er Risiken minimiert und welche Einflussmöglichkeiten er hat.
Tobias, wie bist du Bauherrenberater geworden?
Tobias: Ich habe Architektur an der ETH studiert und dann acht Jahre in einem Architekturbüro in der Planung und Bauleitung gearbeitet, bis ich vor 17 Jahren auf die Bauherrenseite ins Bauprojektmanagement wechselte. Seit 2012 kombiniere ich meine Erfahrung auf Planungs- und Bauherrenseite bei Basler & Hofmann in der Bauentwicklung. Als Bauherrenberater berate ich Bauherrschaften darin, wie sie ihre Projekte erfolgreich realisieren können, oder ich leite ihre Projekte direkt als Bauherrenvertreter.
Warum wirst du von den Bauherrschaften engagiert?
Es gibt zwei Gründe, warum sie mich beauftragen: Entweder fehlt einer Bauherrschaft die Baukompetenz; das kann zum Beispiel eine kleinere Gemeinde sein, die ein Schulhaus bauen will. Oder der Auftraggeber ist zwar erfahren, ihm fehlen aber die zeitlichen Ressourcen; dabei kann es sich zum Beispiel um die Immobilienverantwortlichen bei einer Anlagestiftung handeln, die ein ganzes Immobilienportfolio zu betreuen haben.
Was sind deine Aufgaben als Bauherrenberater?
Ich unterstütze die Bauherrschaften, ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen, entweder als Bauherrenberater als Stabstelle oder als Bauherrenvertreter in der Linie. Letzteres wird auch häufig als bauherrenseitige Projektleitung bezeichnet. Ich helfe den Bauherrschaften dabei, das richtige Team zusammenzustellen; ich suche also Planungsbüros und Fachleute, die fähig sind, eine bestimmte Aufgabe auszuführen. Weiter unterstütze ich die Bauherrschaften dabei, die baulichen Aufgaben in einem Pflichtenheft so zu formulieren, dass sie das bekommen, was sie brauchen.
Ich berate die Bauherrschaften auch bezüglich der Projektorganisation und der Wahl des optimalen Vertragsmodells, handle Verträge aus, stehe in Kontakt mit den Behörden und begleite das Projekt bis zur Fertigstellung. All dies mit dem Ziel, dass die Qualität stimmt, Termine eingehalten werden und wir die Kosten im Griff behalten. Ausserdem unterstütze ich die Bauherrschaft in politischen Prozessen, wenn es um Genehmigungen und Abstimmungen an der Urne geht.
Woran erkennst du, dass du gut gearbeitet hast?
Das schönste Lob für einen Bauherrenberater ist, wenn beide Seiten zufrieden sind – die Bauherrschaft und das Planungsteam. Das habe ich letzthin im Projekt Brunnenhof der Stiftung Familienwohnungen (SFW) erlebt; hier geht es um die Erweiterung einer Wohnsiedlung am Bucheggplatz in Zürich. Da rief mich seitens der Bauherrin der Präsident der Baukommission an und dankte mir für meine Hartnäckigkeit beim Aushandeln des Generalplanervertrags. Kurz darauf telefonierte der Generalplaner und bedankte sich für die konstruktive Verhandlung. Seither sind wir als Team sehr erfolgreich unterwegs.
Als Bauherrenberater oder Bauherrenvertreter vertrittst du aber in erster Linie die Bauherrschaft?
Ja, klar, in erster Linie vertrete ich die Interessen der Bauherrschaft. Ich erfülle ich aber nicht blind alle Erwartungen der Bauherrschaft, sondern stelle den Projekterfolg ins Zentrum. Damit ein Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann, braucht es ein gutes Team und ein gutes Miteinander. Deshalb ist es so wichtig, die richtigen Leute zu finden. Es wird im Bauprozess immer mal zu Differenzen kommen. In diesen Situationen kann ich entweder gezielt die Eskalation suchen –beispielsweise, um einen ungenügenden Fachplaner zu ersetzen oder einem beteiligten Dritten die Grenzen aufzuzeigen, so dass die Bauherrschaft deeskalierend die Lösung herbeiführen kann. Oder aber ich kann direkt selbst deeskalierend wirken.
Es braucht den Willen von allen, um ein Bauprojekt erfolgreich zu realisieren. Als Bauherrenberater ist es meine Rolle, durch Sachlichkeit und planerische Kompetenz die Lösungsfindung zu unterstützen. Ein Bauherrenberater hat hier grosse Chancen zur Einflussnahme. Es geht eben nicht nur ums Projektmanagement, sondern auch um den konstruktiven Umgang mit Menschen.
Planst du als Bauherrenberater auch selbst?
Nein, als Bauherrenberater projektiere ich nicht selbst. Ich stelle kritische Fragen, ohne vorzugeben, was planerisch zu tun ist. Und ich definiere die Anforderungen, ohne die Lösung vorzugeben. Die Planungsverantwortung liegt aber voll und ganz beim beauftragten Planungsteam – meine Rolle reduziert dessen Verantwortung nicht.
Welches Projekt hat dir zuletzt grosse Freude bereitet?
Der Neubau der Sekundarschule Schlafapfelbaum in Eglisau, der im August 2025 in Betrieb ging. In diesem Projekt habe ich die Gemeinde Eglisau seit dem Baugesuch begleitet. Schwerpunkte waren die Qualitätskontrolle sowie die Kostenkontrolle und -steuerung, dies insbesondere in Abhängigkeit der aussergewöhnlichen Bauteuerung infolge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs. Das Projekt Schlafapfelbaum konnte innerhalb des genehmigten Kredits realisiert werden und geniesst bei den Lehrpersonen, den Schülerinnen und Schülern sowie der Öffentlichkeit eine sehr hohe Akzeptanz.
Freude habe ich auch am Projekt für den Neubau der Schulanlage Birchlen in Dübendorf. Nach fast sieben Jahren Entwicklungsarbeit konnte letzten Herbst endlich der Baustart erfolgen. Die neue Schule geht Mitte 2028 in Betrieb und bietet Raum für 18 Primarschulklassen, 4 Kindergärten, eine Doppelturnhalle, einen Hort, das Musikschulzentrum sowie die zentrale Produktionsküche für alle Horte in der Stadt Dübendorf.
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